Der Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielstudierender, das Schauspielschultreffen, ist der wichtigste nationale Wettbewerb für den schauspielerischen Bühnennachwuchs. In diesem Jahr fand das Treffen in Rostock an der Hochschule für Musik und Theater statt. Das diesjährige Motto „Lass‘ treffen“ hat uns wieder mal Glück gebracht. Leona Bert aus dem 4. Jahrgang hat es gut getroffen. Mit einer sehr emotionalen Laudatio wurde ihr der sehr begehrte Solopreis verliehen. Der nicht nur mit 2.000 € dotiert ist, sondern ihre besondere Leistung im künstlerischen Sinne würdigt und fördert.
In diesem Jahr ist der Absolventenjahrgang mit ihrer Produktion „Orlando“ nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf aufgetreten. Die Regie wurde von Martin Laberenz geführt. Die Produktion ist in Kooperation mit dem Bochumer Schauspielhaus entstanden und lief über die Saison sehr erfolgreich.
.
© Jörg Brüggemann / Ostkreuz
Leona Bert in der Produktion "Orlando" in Kooperation mit dem Schauspielhaus Bochum.


Ein Abend voller Momente, vollster „Virtuosität*innen“ auf der Bühne, ein Abend voller Bilder und Räume, voller Kostüme und Klänge, voll Bewegungen innerlich wie äußerlich. Und dabei jedes Element für sich gefüllt, gefühlt, getragen. Mit ORLANDO hat uns ein Ensemble auf eine Zeitreise, eine über 300-jährige Lebensreise mitgenommen, in der Verwandlung, Transformation, das Einstehen für die eigene, für die selbstgewählte Identität Antrieb sind, die eigene Kunst Antrieb ist.
Dein Ausdruck in deiner Kunstsprache, liebe Leona Bert, hat uns an diesem Abend ganz besonders mitgerissen. Mehrfach gleich stirbst du dich per Herzinfarkt aus Liebesschmerz weg und lässt dabei den ganzen Saal den Atem anhalten, um mit derselben Intensität wieder nach Luft zu schnappen und später aufzustehen, als wäre nichts passiert. -Es bleibt dein Geheimnis, wie viele Herzinfarkte du erlittst.
Deine Antwort auf die Frage nach dem soziokulturellen Kontext ist, mit verblüffender Leichtigkeit, fast Beiläufigkeit, das geschriebene Versmaß zum Rap zu machen. Und dabei geht kein einziges Wort verloren, weil du darin mit so viel Schärfe als auch größter Klarheit sprichst, dass es unumstößlich wird. Am Ende, ins Heute und in den Zuschauersaal zurückgekehrt, suchen wir dich plötzlich auf der Bühne, weil du es geschafft hast, bis zum Applaus so viele Gesichter und Körper in dir zu tragen, dass wir dich kaum wiedererkannt haben.
Für diese Kraft, diesen Einsatz, deine Verwandlung und deine Kunst gratulieren wir dir herzlich zum Solopreis.
Kooperationspartner:

